Ilka Scheidgen: Gabriele Wohmann. Ich muss neugierig bleiben. Die Biographie.

Rezension von Benoît Pivert

Eine Biographie über Gabriele Wohmann war fraglos vonnöten. Vor fünfundzwanzig Jahren erschienen nämlich die letzten der Darmstädter Autorin gewidmeten Monographien. In Gabriele Wohmanns Werk zeichneten sich Tendenzen ab, die sich zwischenzeitlich bestätigt haben, aber damals nur erahnt werden konnten, wie jene Hoffnungsfunken, die Gerhard und Mona Knapp immer öfter durchschimmern sahen. Damals kamen metaphysische Fragen erst andeutungsweise zum Ausdruck, heute sind sie unüberhörbar geworden. Über eine Biographie, die das Spätwerk umfasst, können sich daher alle Leser nur freuen, zumal es sich um die erste Wohmann-Biographie im eigentlichen Sinne handelt. Verfasst wurde sie von Ilka Scheidgen, selbst Schriftstellerin und Publizistin, deren Biographie Hilde Domin – Dichterin des Dennoch (Kaufmann-Verlag, 2006), kurz vor dem Tod der Lyrikerin vollendet, besondere Beachtung fand.

Mit ihrem Buch über Gabriele Wohmann hat Ilka Scheidgen es geschafft, aus einem schier uferlosen, unüberschaubaren Oeuvre von etwa hundert Titeln das Wesentliche herauszuarbeiten. Sollte man sich an einen einzigen Satz aus dieser Biographie über Gabriele Wohmann erinnern, dann wäre es dieser: „Sie schreibt über Ungetröstete, ohne dass sie Trost anbietet, über Unglückliche und Suchende, ohne Antworten zu geben und Rezepte zu verteilen“ (S. 7). Ilka Scheidgen schildert nicht nur eine Vita, sondern die Quintessenz von Gabriele Wohmanns Schreiben. Weiterlesen (gesamte Rezension als PDF-Dokument)