Hanno Millesi im Gespräch

Interview von Jana Schulze

„Davon verraten wir nichts. Wir wissen es teilweise selbst nicht, wie etwa im Fall eines Künstlers keineswegs vorausgesetzt werden darf, er müsse in der Lage sein, all jene Unklarheiten zu beseitigen, die von der Tatsache seines Werkes aufgeworfen werden. Er hat ja bereits die Fragen gestellt, eine zumindest, und demzufolge ist es am Betrachter, nach einer passenden Antwort zu suchen. So jedenfalls lauten die Spielregeln.“

Millesi, Hanno: Ballverlust.

 

Hanno Millesi zählt zu den interessantesten Stimmen einer Generation junger österreichischer Literatur. Sein schriftstellerisches Werk definiert sich über essayistische Prosa und erzählerische Arbeiten. Daneben beschäftigt er sich mit Radio- und Videoprojekten sowie der Gestaltung von Bild- und Fotocollagen. Vom experimentellen Schriftstellertum geprägt, zeichnet sich sein Werk durch einen unverkennbaren Sound aus.

Beginnen wir mit einem breit rezipierten Aspekt der Literaturtheorie: Was ist ein Autor?

Die Einfachheit dieser Frage wirbelt den vielfältigen Diskurs auf, der rund um diesen Begriff in den vergangenen Jahrzehnten gesponnen bzw. gehäkelt wurde. Es ist noch gar nicht lange her, als der Autor begann, beflissen vor sein Werk zu treten, um mangels Anpassungsfähigkeit sukzessive von der Vorstellungswelt der Leser und Kritiker absorbiert zu werden. Fallweise meldet er sich noch als juristische Körperschaft zu Wort, um sein Urheberrecht einzufordern.

Obwohl wie jeder und jede mit den zahlreichen Facetten eines solchen Identitätsbündels gesegnet, treffe ich keine davon an meinem Schreibtisch an. Dort erwartet mich der Autor als ein Alter Ego. Wir treffen uns, um zusammenzuarbeiten. Wie harmonisch das vonstatten geht, hängt von der Tagesform ab. Wem gelingt es, sich in Frage zu stellen, ohne sich völlig aus den Augen zu verlieren? Wer schielt auf die Rezeption? Wer ist bereit, sich durch Handheben zur Autorenschaft zu bekennen? Mit Autorität hat das kaum noch etwas zu tun. Eher mit einem vernarbten Regelwerk.

Kein Mensch verdient es als Autor in der Endfassung verschleiert zu werden. Erkenntnis eignet sich nicht, jemanden auszuschließen. Der Autor verleiht seinem Werk Charakter, anstatt ein Image seiner selbst zur vermeintlichen Virtuosität beglückwünschen zu lassen.

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