Der Ursprung des Stahlgewitters. Ernst Jüngers tatsächliche Kriegstagebücher liegen nun auch in edierter Fassung vor

Rezension von Walter Delabar

Die Langzeitwirkung der Kriegsbücher Ernst Jüngers ist, bei nachträglicher Betrachtung, kaum verwunderlich. Die Affinität des Autors zum Krieg ist dabei nur ein Grund, wenn auch ein schwerwiegender, denn Jünger bot all denen Identifikations- und Anschlusspotenzial, die die Teilnahme an beiden Weltkriegen nicht per se zur Anklage bringen wollten. Damit aber nicht genug, denn egal was man ins Feld führt (schöne Wendung in diesem Zusammenhang), Jünger war ein Überlebender, mit allem Recht, das damit ihm zuzuschreiben ist. Problematisch bleibt seine zumindest zeitweise Nähe zur nationalistischen Extremen , auch wenn er seit etwa 1933 auf Distanz zum Nationalsozialismus ging und später zum weiteren Kreis des 20. Juli gehörte. Inwieweit sein Roman „Auf den Marmorklippen“ (1939) dieser Absage auch eine erzählerische Form gegeben hat, ist bis heute umstritten. Unabhängig davon: Die Überlegung, dass in der Extremform der Moderne, dem Krieg, der Mensch zu seinen Ursprüngen zurückfinden soll, hat zumindest konzeptionell einiges zu bieten; die Engführung von Krieg, Archaik und Moderne hat jüngers Attraktivität weiter erhöht. Weiterlesen (Gesamte Rezension als PDF-Dokument)

Zwei Deutsche in Paris. Über Felix Hartlaubs „Kriegsaufzeichnungen aus Paris“ und Ernst Jüngers „Erstes Pariser Tagebuch“

Essay von Benoît Pivert

Die Zeit der deutschen Besatzung gehört in Frankreich zu den ergiebigsten Inspirationsquellen. Nicht nur die Historiker haben sich dieses düsteren Kapitels der französischen Geschichte angenommen, sondern auch die Belletristen und Regisseure, welche diesem Thema gelegentlich Komödien wie La grande vadrouille mit Louis de Funès oder Papy fait de la résistance abgewinnen konnten. An deutschen Erfahrungsberichten fehlt es aber weitgehend. Umso erfreulicher ist es, dass Felix Hartlaubs Kriegsaufzeichnungen aus Paris auch in französischer Fassung vorliegen, denn das Buch gewährt aus deutscher Sicht einen zugleich realistischen und poetischen Einblick in den Alltag jener Zeit. Der französische Leser kann auch auf Ernst Jüngers Kriegstagebuch zurückgreifen, das 1949 unter dem Titel Strahlungen in Deutschland erschien und bereits 1951 ins Französische übersetzt wurde. Strahlungen umfasst neben einem gleichnamigen Kapitel Das Erste Pariser Tagebuch, Kaukasische Aufzeichnungen, Das Zweite Pariser Tagebuch und Kirchhorster Blätter. Die Aufzeichnungen reichen vom Februar 1941 bis zum April 1945. Hier werden wir nur auf Das Erste Pariser Tagebuch eingehen, denn es beinhaltet jene Zeitspanne, in der Hartlaub und Jünger in Paris waren. Die Stadt bot also den beiden Beobachtern denselben Anblick und dieselbe Atmosphäre. Weiterlesen (Gesamter Essay als PDF-Datei)