Carsten Dutt, Dirk von Petersdorff (Hg.): Günter Eichs Metamorphosen. Marbacher Symposium aus Anlass des 100. Geburtstages am 1. Februar 2007

Rezension von Walter Hettche (2010)

Die Herausgeber dieses Tagungsbandes schreiben in ihrem Vorwort, die hier versammelten Beiträge seien Ausdruck einer „Neuorientierung“ (S. 7) nach der hitzigen Kontroverse um Günter Eichs Verhalten während der Nazizeit. Man widme sich „wieder stärker den literarischen Texten, dies allerdings mit einem geschärften Blick für deren historische Kontexte“ (ebd.). Die Debatte um „Eichs Fall“ hat in der Tat in allen neun Aufsätzen des Buches ihre Spuren hinterlassen, am deutlichsten bei Jürgen Joachimsthaler und Jörg Döring, die sich mit Eichs vielfältigen „Verstrickungen“ (Joachimsthaler) und mit der Rezeptionsgeschichte seines Hörspiels Träume befassen (Döring). Joachimsthaler insistiert in seinem umfangreichen Aufsatz auf den Kontinuitäten in Haltung und Poetologie Eichs und argumentiert, die Eich-Debatte der frühen 90er Jahre habe gerade nicht zu einer neuen Auseinandersetzung mit seinem Werk geführt, sondern „zu einer  Spaltung Eichs in einen anrüchig jungen und einen geläutert ,guten‘ späte(re)n Eich“ (S. 89). Er folgt der einigermaßen kruden These Hans Dieter Schäfers, wonach Eich nach 1945 genauso wie davor „Frieden mit den Apparaturen“ gemacht habe, „um abzukassieren“ (zitiert S. 88f.), und er geht so weit, zu behaupten, Eich habe „als mit Abstand erfolgreichster Hörspielautor der 30er bis 60er Jahre“ dem von ihm so geschmähten „Establishment“ selbst angehört, er sei im Dritten Reich wie in der Bundesrepublik der „Verstrickung“ erlegen. Weiterlesen (Gesamte Rezension als PDF-Dokument)

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