Gebrauchstheater. Ulrike Syha: Herr Schuster kauft eine Straße

Rezension von Johannes Birgfeld (2011)

Theater sind mitunter durchaus eigenwillige Orte: Während heute etwa Regisseure, Bühnenbildner oder Ausstatter oft vehement ihre künstlerische Autonomie betonen, einfordern und durchsetzen, sind sie zugleich gemeinsam mit den Dramaturgen überwiegend der Auffassung, dass dramatische Texte prinzipiell einer Bearbeitung, Kürzung oder Ergänzung bedürfen, bevor sie zur Aufführung gebracht werden können. Ähnlich lässt sich an Theatern eine Praxis beobachten, die in anderen literarischen Gattungen unüblich ist: Fast niemand erwägt heute, Autoren für eine festgeschriebene Summe mit der Niederschrift eines Romans oder eines Gedichtes zu beauftragen. Theater hingegen entscheiden sich regelmäßig für die Kommissionierung neuer Auftragsdramen. Auch dabei kann der Eindruck entstehen, dramatische Literatur gelte an Theatern als auf Zuruf herstellbare Ware mit einiger Nähe zur Gebrauchsliteratur. Dies ist besonders dann der Fall, wenn zwischen Autor und Theater sogar konkrete Themen für das zu schreibende Stück vereinbart werden.
In der Saison 2009/2010 war Ulrike Syha, Jahrgang 1976, Hausautorin am Mannheimer Nationaltheater. Ihr Schauspiel Herr Schuster kauft eine Straße, das im Herbst 2010 ebendort uraufgeführt wurde, entstand als Auftragsarbeit des Hauses. Weiterlesen (gesamte Rezension als PDF-Dokument)

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.